Fakes
"Fakes" (aus dem englischen "fake": "Fälschung, Imitation") bauen sich konsequent eine falsche Identität auf. Aus Männern werden so virtuelle Frauen und umgekehrt. Sämtliche persönlichen Merkmale werden variiert. Oftmals nutzen Fakes innerhalb ein und derselben Community mehrere Identitäten, um mit diesen zu "spielen".
Die Motivation kann unterschiedlich. Ein männlicher Fake macht vielleicht als virtuelle Frau einem Geschlechtsgenossen Avancen und erfreut sich an dessen romantischem Interesse. Ein anderer Fake wiederum behält zwar sein eigenes Geschlecht bei, schildert sich aber als attraktiver und interessanter, als er wirklich ist. Dann genießt er die Aufmerksamkeit, die er bekommt, und ergötzt sich an den Reaktionen seiner Opfer, die er über lange Zeit im Dunkeln lässt. Zu einem persönlichen Treffen wird es natürlich nie kommen, in der Regel verschwindet der Fake irgendwann und taucht unter einer neuen Identität wieder auf.
Das Ganze lässt sich in der Welt der Chats leicht bewerkstelligen, in der man seine virtuelle Identität allein durch Worte aufbauen kann. Wer nun meint, vor Fakes sei gefeit, wer nur mit Flirtern kommuniziert, die ein Bild von sich im Netz zeigen - z. B auf ihrer privaten Homepage innerhalb der Community - der ist leider auf dem Holzweg. Denn kurioserweise bietet auch hierfür das Netz den Fakes eine einfache Lösung.
Wer aufmerksam durch das WorldWideWeb surft, stellt schnell fest, dass von Mangel an Bildmaterial gewiss keine Rede sein kann. Hunderte Fotos der letzten Party, Schnappschüsse aus dem Urlaub oder das Konterfei von der Freundin auf der eigenen Homepage - Bilder noch und nöcher. Was liegt näher, als sich in diesem Sammelsurium zu bedienen? Ein Mausklick genügt, und das Bild landet auf der eigenen Festplatte. Man benennt die Datei vorsichtshalber noch um, um so Spuren zu verwischen, lädt sie dann in die Community - und prompt gibt es ein Gesicht zu der lange im Verborgenen agierenden virtuellen Identität.
Dass diese Vorgehensweise nicht die feine Art ist, leuchtet ein. In den allermeisten Fällen werden die Opfer des "Bilderraubs" nie erfahren, dass sie es in einer Community zu einer zweifelhaften Popularität gebracht haben. Wer kann schon den Überblick behalten, bei knapp einer halben Milliarde Bilder im Netz? Manchmal kommt es aber zu noch erstaunlicheren Auswüchsen.
Sehr begehrte Fake-Bilder erhält man zum Beispiel auf den Seiten weiblicher amerikanischer Models. Der Vorteil liegt auf der Hand: Attraktive junge Damen bieten beste Kontaktchancen in der eigenen Community, die Bilder sind von guter Qualität - und welche der Betroffenen wird schon bemerken, dass sie auf einer deutschsprachigen Website "im Einsatz" ist? Interessant ist, dass diese jungen Damen sich auch auf amerikanischen Websites regen Zuspruchs erfreuen. Und dies auch bemerkt haben. Die Reaktion? Da es sich im Regelfall um potenzielle Models handelt, ist diese Art der Verbreitung geradezu in deren Sinn! Sie generieren dadurch ohne eigenen Aufwand ein hohes Maß an Aufmerksamkeit - und so manche Model-Website erlebte dadurch einen regelrechten Ansturm. So seltsam es klingen mag, letztendlich hatten die Fakes in manchen Fällen durch ihren "Bilderraub" den Opfern einen Gefallen getan.
Ärgerlich ist Faking aber auf alle Fälle für denjenigen, der an der Nase herumgeführt wird. Harmlos sind solche Angelegenheiten eigentlich nie, denn zumindest verschwendet man eine Menge an Zeit und Gefühlen an jemanden, der sich allenfalls einen Spaß erlauben wollte. Nach einer derartigen Erfahrung mag man gut und gerne in der Stimmung sein, die Flinte ins Korn zu werfen. Es mag wie die reinste Zeitverschwendung erscheinen, wenn es doch im Netz nur so von "falschen Fuffzigern" wimmelt. Und im schlimmsten Fall kommt auch noch ein finanzieller Schaden hinzu, wie wir ja bereits gesehen haben.
Es gibt aber einige Möglichkeiten, Fakes, Trollen und "Schwarzen Engeln" aus dem Weg zu gehen oder sie als solche zu identifizieren. Wenn man diese Tipps berücksichtigt, wird man lernen, mit den Täuschungen im Netz umzugehen.
Wie man einen Fake fängt
Hat man einen Fake einmal als solchen erkannt, ist die Gefahr gebannt. Doch wie soll man das schaffen, wenn selbst gestandene Internet-Nutzer daran scheitern?
Zunächst ist es einmal wichtig, sich bei all den Emotionen beim Online-Dating einen kritischen Kopf zu bewahren. Das Problem ist in der Regel, dass man sich Hals über Kopf in sein virtuelles Gegenüber verliebt und dabei die Vernunft rasch über Bord wirft. Man weiß natürlich um die Existenz von Fakes, aber dass ausgerechnet dieses einzigartige, einfühlsame Wesen am anderen Ende der Leitung dazu zählen soll, will einem nicht in den Kopf. Das Urteilsvermögen hat sich leise verabschiedet.
Dies bedeutet nicht, dass man ab sofort paranoid durchs Netz streifen und an jeder Ecke Betrug vermuten sollte. Tatsache ist, dass nur ein kleiner Prozentsatz der Online-Dater in professionellen Angeboten Fakes sind. Diese Gewissheit nützt einem im Schadensfall natürlich wenig. Daher sollte man sich damit vertraut machen, wie Fakes funktionieren, um sie letztlich mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen.
Wir haben bereits gesehen, dass Fakes oftmals ganz bestimmte Orte aussuchen, um ihre Bilder auszuwählen. Es liegt also nahe, sich diese Bilder zu Gemüte zu führen um überhaupt einmal zu sehen, mit wem man es zu tun bekommen könnte. Tatsächlich gibt es in den USA bereits Seiten, die diese Fake-Bilder sammeln, um so potenzielle Opfer zu warnen. Fakerssuck.com (http://www.fakerssuck.com) ist so eine Seite. Hier findet man ein breites Sammelsurium an "gekidnappten" Bildern, auf die man einmal in Ruhe einen Blick werfen sollte. Vielleicht wird das eine oder andere einem bereits vertraut vorkommen. Tatsache ist, dass sich aus diesem Repertoire im deutschsprachigen Raum zahlreiche virtuelle "Schönheitsköniginnen" bedient haben. Arglose Internet-Nutzer wählten diese Fakes auf Internet-Seiten wie etwa binichsexy.de auf die vordersten Plätze - ohne zu wissen, dass hier jemand ganz anderes sein Unwesen trieb.
Zu wissen, wie Fakes aussehen können, ist hilfreich, aber sicherlich keine Garantie dafür, gegen Betrug gefeit zu sein. Clevere Zeitgenossen versuchen natürlich, an "frisches" Bildmaterial heranzukommen. Da dies im Netz bekanntlich ein Leichtes ist, bleibt einem nur, einen Fake im "Nahkampf" zu enttarnen.
Denn auch Schlauberger machen Fehler. Man muss es nur schaffen, die Lücke in der virtuellen Identität seines Gegenübers zu finden. Tatsächlich macht sich nämlich kaum jemand von den Fakes die Mühe, sich eine komplette "Legende" zuzulegen, wie man sie aus den einschlägigen Agentenfilmen kennt. Die virtuellen Identitäten sind oftmals schnell zusammengezimmert oder entstehen auch spontan im Kontakt mit den potenziellen Opfern. Es kommt noch hinzu, dass Fakes meist mit mehreren Leidtragenden parallel in Kontakt stehen. Wer protokolliert dabei schon, wem er was zu welchem Zeitpunkt erzählt hat? Hier gilt es anzusetzen.
Am besten, man speichert die Mails seines Gegenübers ab. Dadurch hat man stets denn Überblick, was im Laufe zahlreicher Mails zum Besten gegeben wurde. Das ist auch von Nutzen, wenn man es mit einer "echten" Person zu tun hat. Man kann sich dann später auf die frühere Korrespondenz beziehen, falls das Gedächtnis einen im Stich lässt.
Anhand der Äußerungen und des "Archivs" gilt es nun, die Authentizität der Anderen zu überprüfen. Sind ihre Angaben schlüssig, oder widerspricht sie Aussagen, die sie in früheren eMails gemacht hat? Widersprechen Aussagen ihrem Profil auf der Dating-Site oder ihrer Homepage? Kann sie spontan sinnvolle Antworten zu Themen geben, die für sie relevant sind?
Letzteres bedarf eingehender Erklärung. Im Laufe eines Online-Flirts kristallisieren sich ständig weitere Facetten der potenziellen Partnerin heraus: Was sie beruflich macht, wie sie ihre Jugend verbrachte, welche Musik sie hört, welche Filme sie sieht, welches Auto sie fährt und wie sie im allgemeinen ihr Leben führt. Und genau dies sind die Ansatzpunkte, um nachzuhaken.
Dieses gezielte Nachhaken nervt oft auch Missetäterinnen, denn auf die Dauer ist es doch ziemlich anstrengend, sich die Details aus den Fingern saugen zu müssen. Es ist natürlich wichtig, sich in puncto Fragen jedes Mal neu auf sein Gegenüber einzustellen. Sonst führt diese Strategie definitiv nicht zum Erfolg.
Gut wäre es weiterhin zu wissen, was die Person gegenüber Anderen kommuniziert. Wie wir bereits gesehen haben, sind so schon durch Zufall ausgebuffte Fakes zu Fall gebracht worden. Woher soll ich aber wissen, was mein Schwarm anderen erzählt? Man könnte zum Beispiel versuchen, mit anderen Flirtern in losen Kontakt zu treten, in einem Chat-Room zum Beispiel. Hier kann man den Namen der Angebeteten beiläufig erwähnen - vielleicht bekommt man auf diesem Weg interessante Informationen. Noch besser ist es natürlich, wenn man mit einem Freund im selben Dating-Angebot unterwegs ist. Dies hat grundsätzlich den Vorteil, dass man sich absprechen und somit Erfahrungen austauschen kann. Fehler können so oft vermieden werden. Kritisch wird es natürlich, wenn beide sich in dieselbe Person vergucken ...
Denkbar wäre zwar auch, dass man selbst unter einer falschen Identität im Dating-Angebot die mögliche Traumpartnerin probeweise anspricht, um zu sehen, ob sie einem plötzlich ganz andere Geschichten von sich erzählt. Zu empfehlen ist dies jedoch eigentlich nicht. Letztlich versucht man dabei nichts anderes, als den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Und wenn dies auffliegen sollte, ist der erste Vertrauensbruch schon da, bevor es mit der Beziehung überhaupt richtig losgegangen ist.
Trotz der beschriebenen Maßnahmen mag oftmals noch ein Zweifel bezüglich der echten Existenz der Anderen vorherrschen. Man kann natürlich die Möglichkeiten des Netzes hier noch weiter ausreizen. Anhand der Informations-Bruchstücke, die man hat, könnte man durch Nutzen von Suchmaschinen herausfinden, ob die jeweilige Person schon Spuren im Netz hinterlassen hat. Womöglich hat sie sogar eine eigene Homepage? Letztlich kann dies aber auch zu einer großen Zeitverschwendung ausarten und vom eigentlichen Ziel ablenken: Die Aktivitäten im Netz sollten sich ja eigentlich um die Partnersuche drehen, nicht um das Aufspüren von Schwindlerinnen. Sinnvoller ist es daher sicherlich, möglichst rasch vom rein virtuellen zum realen Kontakt überzugehen. Erfindet das Gegenüber hier ständig neue Ausreden, platzen vereinbarte Treffen regelmäßig oder verschwindet die fleißige Chatpartnerin bei der Aussicht auf ein persönliches Kennenlernen gar ganz von der Bildfläche, sollte man seine Zeit nicht länger mit ihr verschwenden. Hier ist jemand höchstwahrscheinlich ein Fake - in welcher Hinsicht auch immer - und in keinem Fall wirklich auf Partnersuche im Netz.
Um etwas mehr Gewissheit zu erlangen, ist es oftmals unumgänglich, ein Stück von sich selbst preizugeben. Im Gegenzug kann man vom Gegenüber natürlich eine gleichwertige Information verlangen. Dabei sollte es sich um eine Information handeln, welche preiszugeben dem Partner in spe nicht allzu leicht fallen darf. Eine Handy-Nummer ist hier zum Beispiel eine gute Wahl. Natürlich kann man auch die Festnetz-Nummer zu Hause angeben, aus Sicherheitsgründen würden wir aber am Anfang einer neuen Beziehung davon eher abraten. Eine eMail-Adresse ist auch nicht schlecht, wobei man bedenken sollte, dass man sich diese auch leicht an praktisch jeder Ecke im Internet besorgen kann. fuzzy@web.de ist weniger vertrauenswürdig als vorname.nachname@siemens.de.
Weiter mit dem nächsten Thema.


