Anleitung zum Online-Dating - Einführung

Ginge es nach dem Volksmund, bestünde kein Grund zur Sorge: Jedes Töpfchen find't sein Deckelchen, jeder Kater find't die Katz, jedes Knöpfchen find't sein Fleckelchen, jedes Mädchen seinen Schatz. Prima. Wo liegt dann das Problem? Wie kann es immer mehr Singles und Scheidungen geben?

Die gute Nachricht ist: Der Volksmund hat eigentlich Recht. Mathematisch betrachtet kann man eine gleich große Menge an Frauen und Männern unter einen Hut bringen. Und zwar so, dass alle zufrieden sind. Auch wenn sie unterschiedliche Prä­ferenzen haben. Das mag uns jetzt nicht so einfach einleuchten. Bei all den Erfahrungen, die wir so jeden Tag machen in puncto Partnerglück.

Woran das liegt? Nun, das System ist einfach nicht "optimiert". Im mathematischen Modell verfügen alle Teilnehmer über sämtliche Informationen. In der Wirklichkeit ist dem natürlich nicht so. Bis vor kurzem haben wir ja gewissermaßen unsere Partner so gesucht wie vor Hunderten von Jahren. Revier markieren, balzen – und fertig. Wobei die Größe des "Reviers" in aller Regel doch sehr eingeschränkt war.

Heute haben wir mehr Möglichkeiten. Über neun Millionen Deutsche nutzen bereits das Internet zur Partnersuche, Ten­denz stark steigend. Online-Dating rangiert damit nach Job und Partys bereits auf Platz drei der beliebtesten Kennenlern-Möglich­keiten. Dabei steht diese neue Art des Sich-Verliebens hier zu Lande noch am Anfang. In den USA etwa greifen jeden Monat über 45 Millionen Flirtwillige auf Dating-Dienste zu.

Neue Herausforderungen, neue Chancen

In einer Gesellschaft, die durch wachsende Scheidungs- und Trennungszahlen kontinuierlich für neue Singles und allein erziehende Eltern sorgt, ist das Internet ohne Zweifel das neue Mittel der Wahl in Sachen Partnersuche. Neue Lebens­situationen und häufige Wohnortswechsel fordern alternative Mittel auf der Suche nach dem großen Glück. Flexibilität, Effizienz und Auswahlmöglichkeiten verlocken zum Dating über das Netz.

Doch die schöne neue Welt hat auch ihre Kehrseiten. Unseriöse Anbieter und virtuelle "Eheschwindler" lauern auch im Datendschungel und verursachen empfindliche emotionale und finanzielle Schäden. Unerfahrene Nutzer werden leicht zum Opfer professioneller Betrüger oder vermeintlicher Scherzbolde. Und die Boulevard-Presse schürt die Angst mit Geschichten aus den Abgründen des Internet. So wird aus Online-Lust schnell Online-Frust.

Die Fallstricke auf dem virtuellen Weg zum Partner fürs Leben sind zahlreich. Bereits in der Vorbereitung kann man durch eine falsche Auswahl der Möglichkeiten oder Anbieter in einer Sackgasse landen. Oder viel Geld für wenig Leistung ausgeben. Die Vielzahl an Anbietern macht einen fairen Vergleich für den einzelnen Anwender nahezu unmöglich.

Sobald man sich für ein Angebot entschieden hat, tauchen zahlreiche neue Probleme auf. Wie stelle ich mich am besten dar? Wie hebe ich mich aus der Masse heraus, ohne die falschen Flirter anzuziehen? Wie erkenne ich den oder die Richtige? Und vor allem: Wie merke ich, dass man/frau es ernst mit mir meint?

Sollte trotz dieser Hindernisse die Wahl unter Hundert­tausenden gelungen sein, steht einem der kritische Schritt ins "richtige Leben" bevor. Was ist beim ersten – und den even­tuell nachfolgenden – realen Treffen mit Ihrer Traumfrau zu beachten? Wie kann man sein bisher nur virtuelles Gegenüber persönlich kennen lernen, sich dabei aber selbst möglichst vor Schaden bewahren?

Viele Neueinsteiger sind beim Thema Online-Dating schlicht überfordert. Dadurch sind sie nicht in der Lage, Chancen in dem Umfang zu nutzen, wie dies erfahrenen Nutzern möglich ist. Im Gegenteil: Sie sind dazu prädestiniert, Opfer der Risiken zu werden, die Teil des Online-Datings sind. Wie gravierend diese Problematik tatsächlich ist, lässt sich nur subjektiv ein­schätzen. Weder den Anbietern von Dating-Services noch den Opfern ist an einer Publikmachung solcher Fälle gelegen –letztere scheuen oftmals sogar den Gang zum Anwalt, da die Situation, in die sie sich gebracht haben, zu pikant oder für sie selbst zu schmerzlich war.

Internet-Beziehungen sind besser als ihr Ruf

Neueste Untersuchungen widersprechen dem Vorurteil, Internet-Beziehungen seien kurzlebig und oberflächlich. Wie die Sozialpsychologin Katelyn McKenna herausfand, ist das Gegenteil der Fall: Die Dozentin der New York University befragte 567 Paare und stellte fest, das 71 Prozent aller online geschlossenen, aber nur 54 Prozent aller offline geschlossenen Beziehungen länger als zwei Jahre überlebten ...

Eine Studie am Soziologischen Institut der Universität Zürich hat ergeben, dass jeder vierte Online-Flirter eine Liebes-beziehung eingeht. Dies ergab eine Umfrage bei über 4.000 Mitgliedern einer Schweizer Flirt-Website. Die Hälfte der hier­bei entstandenen Beziehungen erwies sich sogar als lang­fristig. Damit unterstreicht die Studie den Trend hin zur Partnersuche im Internet. Das Netz erhöht nicht nur die Chancen, eine Partnerin zu finden, es macht es sogar wahrscheinlicher, genau die Richtige zu erwischen.

Der Grund hierfür ist, dass man beim Online-Dating eben gerade nicht auf Oberflächlichkeiten achtet. Man nimmt sich im Gegenteil Zeit, sein Gegenüber kennen zu lernen. Die Gefahr, auf ein attraktives Äußeres hereinzufallen, ist also nicht so groß. Ergebnis: weniger Enttäuschung im Laufe der Partnerschaft, da man sich von vornherein besser kennt. Na denn – wenn das mal kein Grund ist, seine Traumfrau im Internet zu suchen!

Ist Online-Dating nur was für Verlierer?

Zugegeben, der Partnersuche im Netz hing lange Zeit das Stigma an, nur etwas für Verklemmte zu sein, die sonst niemanden abbekommen. Die vermeintliche Nähe zu den Kontakt­anzeigen in Tageszeitungen scheint zu einer einfachen Übernahme der alten Vorurteile geführt zu haben. Was ist dran an solchen Behauptungen? Werfen wir doch einmal einen Blick über den großen Teich.

In den USA leben 80 Millionen Singles – Tendenz steigend. Mehr als die Hälfte besucht jeden Monat Dating-Angebote. Selbst konservative Zeitschriften und Tageszeitungen haben mittlerweile die Rolle der Partnersuche im Netz erkannt. Online-Dating gilt als eine Entwicklung, der sich niemand entziehen kann. "Wir befinden uns in einer Epoche des drama­tischen Wandels in Bezug auf die Partnerwahl", befindet etwa Barbara Dafoe Whitehead von der Rutgers University. "Ich denke, sie ist in ihrer Bedeutung mit dem Durchbruch des Automobils in den 20er Jahren und der Geburtenkontrolle in den 60ern zu vergleichen."

Online-Dating ist also eine wichtige Antwort auf Ver­än­derungen in unserer Gesellschaft. Diese Antwort ermöglicht es, mit geringem Zeitaufwand überdurchschnittlich viele potenzielle Partnerinnen kennen zu lernen. Und dies auf eine qualifizierte Weise. Bleiben wir einmal bei dem Beispiel mit dem Automobil: Wer kauft heutzutage schon einen Wagen, ohne eine Vielzahl von Modellen, Extras und Preise zu vergleichen? Dies war bislang in puncto Partnerwahl nicht möglich. Nun erhalten wir aber die Möglichkeit, den vielleicht wesentlichsten Aspekt unseres Lebens an Hand einer größeren Auswahl und zahlreicher Kriterien zu entscheiden. Daran ist sicher nichts Falsches.

Die erweiterte Menge an Möglichkeiten und Informationen führt letztlich dazu, dass Online-Beziehungen länger halten. Klingt doch prima: mehr Auswahl, besseres Modell, längere Lebenserwartung. Die Zeiten sind also vorbei, in denen man sich schämen musste, wenn man seiner Partnerin per Kontakt­anzeige kennen gelernt hatte. In Zukunft wird man eher denken: "Bist Du sicher, dass Du im Internet nicht etwas Besseres gefunden hättest?"

Weiter mit: Kontaktanzeige oder Vermittlung?